Regel
Behandle einen Hund so, wie Du selbst behandelt werden möchtest.
Auch Du magst es nicht, wenn man Dir an den Ohren oder an den Haaren zieht,
versucht, Dir in der Nase herumzubohren, auf die Zehen tritt oder Dich
auch nur einfach abknutscht, wenn Dir gerade nicht danach zumute ist.
Und bitte: Schrei keinen Hund an! Hunde können nicht reden, können
nicht sagen: "Hör auf!", können sich nur mit ihren
Zähnen wehren und das kann sehr weh tun ... Weil Hunde besser riechen
und besser hören als wir, sind sie sehr empfindlich, was ihre Nasen
und Ohren angeht. Sie mögen es gar nicht gerne, wenn jemand Fremdes
sie anfasst, ehe sie ihm gezeigt haben, dass sie es möchten. Und
noch etwas: Hunde haben ein sehr gutes Gedächtnis.
Ein Hund, der erst klein und putzig ist, hat später als große
Dogge oder Bemhardiner nicht vergessen, wer ihn als Hundebaby mal geärgert
hat.
Regel
Ein Hund kann noch so lieb aussehen - geh nicht (ohne zu fragen) zu ihm
hin.
Wenn der Hund will, wird er schon von selbst zu Dir kommen. Viele Hunde
lieben Kinder, weil man so gut mit ihnen spielen kann. Aber: Woher soll
der Hund wissen, dass ausgerechnet Du es gut mit ihm meinst. Vielleicht
ist gerade dieser Hund von einem Kind mit blauer Hose und langen Haaren
schlecht behandelt worden und nun meint er, alle Kinder, die so aussehen,
sind nun mal mit äußerster Vorsicht zu genießen. Vielleicht
hat auch Nachbars Peter (der sieht beinahe so aus wie Du) mit Steinen
nach ihm geworfen. Woher soll er wissen, dass Du das nicht tust? Oder
die kleine Karin von gegenüber (sie ist genauso groß wie Du)
hat ihn erst gestern so böse am Schwanz gezogen. Das hat ihm sehr
weh getan woher soll er wissen, dass Du ihm nicht am Schwanz ziehen willst?
Man kann nie wissen, welche Erfahrungen ein Hund schon gemacht hat. Also
besser: Nie zu ihm hingehen (ohne sein Frauchen oder Herrchen zu fragen,
wenn sie gerade dabei sind). Und außerdem: Wenn ein Hund auf seinem
Platz in der Wohnung oder in seiner Hütte liegt - dann will er meist
in Ruhe gelassen werden. Das Lager des Hundes ist sein Reich - störe
ihn dort nicht.
Regel
Vermeide alles, was ein Hund als Bedrohung auffassen könnte.
Zunächst etwas Grundsätzliches: Der Hund betrachtet uns Menschen
als eine Art "Superhunde". Wir sind zwar ein wenig anders als
er, aber wir leben mit ihm zusammen - also müssen wir etwas Ähnliches
sein. Jeder Hund ist glücklich, wenn er in einer (hoffentlich vom
Menschen bestimmten) Rangordnung leben darf und seinen bestimmten Platz
hat. Die Besseren oder Stärkeren sind über ihm, die Schwächeren
oder Schlechteren rangieren eben weiter unten und müssen ihm gehorchen.
Wenn wir jetzt grundlos einen Hund bedrohen, stellen wir seine geliebte
Rangordnung in Frage. Und die gilt es zu verteidigen! Es gibt für
ihn nur zwei Möglichkeiten: Entweder er kneift oder - was wahrscheinlicher
ist - er kämpft! Und wie! Ein richtig wütender Hund ist kaum
zu bremsen. Und wir sehen bei so einem Kampf nicht sehr gut aus. Abgesehen
von der Schnelligkeit eines Hundes! Schau' Dir seine Zähne an und
dann Deine eigenen. Wir Menschen sind dem Hund durch unsere Klugheit überlegen
- aber die hilft in so einem Kampf herzlich wenig. Also besser: Einen
Hund nicht herausfordern! Drohgebärden unterlassen!
Regel
Schau einem Hund nicht starr in die Augen.
Schau auf die Ohrenspitzen, auf seine Schnauze, oder schau sonstwo hin
- nur nicht direkt in die Augen. Wenn sich zwei fremde Hunde begegnen,
so versuchen sie sich zuerst über ihre Stellung in der für sie
so wichtigen Rangordnung zu einigen. Dazu gibt es verschiedene Mittel.
Das "sich in die Augen gucken" ist ein ganz wichtiges Mittel.
Die beiden Hunde starren sich in die Augen, einer dreht den Kopf weg,
der andere ist zufrieden und beide sind glücklich, dass sie nicht
kämpfen müssen. So einfach ist das. Kann sich keiner entschließen,
wegzusehen - nun, dann muss eben gekämpft werden, um den Rang zu
behaupten (s. auch Regel 3). Und mit jedem gewonnenen Kampf steigt ein
bisschen das Ansehen, man klettert in der Rangfolge. Wie schon gesagt
Wir sehen in einem Hundekampf nicht eben gut aus. Besser, wir signalisieren
dem Hund: "Wir sind so gut, wir haben es gar nicht nötig, das
unter Beweis zu stellen" und sehen dem Hund nicht direkt in die Augen!
Regel
Komm nicht in die Schwanznähe, versuche, nicht daran zu ziehen und
trete nicht darauf.
Es ist für uns nicht ganz so einfach zu begreifen, was der Schwanz
dem Hund bedeutet, weil wir so etwas nicht haben. Klar ist, dass der Schwanz
für den Hund unter anderem ein wichtiges Ausdrucksmittel ist. So
wie wir unsere Sprache mit den Händen unterstreichen, ergänzt
der Hund seine "Sprache" mit dem Schwanz. Normalerweise wird
dieses mehr oder weniger lange, gerade oder geringelte Körperteil,
leicht hin- und herwedelnd durch die Gegend getragen. Wird der Schwanz
jedoch zwischen die Beine geklemmt, ist besondere Vorsicht am Platze.
So zeigt der Hund nämlich, dass er Angst hat und ängstliche
Hunde schnappen schnell nach allem, was sich vor ihrer Nase bewegt. Das
Gleiche gilt für den Fall, dass der Hund den Schwanz wie ein Verkehrszeichen
steif und gerade hoch oder nach hinten streckt. Das bedeutet: "Achtung
- ich bin gerade furchtbar böse. Wenn ich nicht in Ruhe gelassen
werde, werde ich mit meinen Zähnen für Ordnung sorgen."
Beinahe unnötig zu sagen, dass so gut wie jeder Hund unglaublich
stolz auf sein prachtvolles Ende ist; es gar nicht gerne hat, wenn man
danach greift (man könnte ihm ja etwas tun) und es notfalls verteidigt.
Also: Hände weg vom Schwanz!
Regel
Störe keinen Hund beim Fressen.
Versuche unter gar keinen Umständen, ihm sein Futter wegzunehmen.
Fressen ist für jeden Hund etwas ungeheuer Wichtiges. Er ist durchaus
in der Lage, zu Hause den Kühlschrank zu leeren, anschließend
in der Nachbarschaft zu betteln, um dann - wenn er bestimmt nichts mehr
herunterbringt - die Reste für Notzeiten im Tulpenbeet zu vergraben
oder unter dem Sofa zu verstecken. Schon als kleines Baby lernt unser
"Bello", sich mehr oder weniger heftig um das Futter zu streiten.
Ein sehr gescheiter Mensch, der Forscher Eberhard Trumler, hat das genau
beobachtet und beschreibt es so: "Untereinander raufen die Welpen
(so nennt man Hundebabys) schon sehr nachdrücklich um die besten
Stücke und man kann die sehr ausgeprägten Verhaltensweisen der
Abwehr mit Fellsträuben, Knurren, Abwehrschnappen und anderes mehr
beobachten." Auch als erwachsener Hund wird "Belio" sehr
nachdrücklich sein gutes Recht auf das heißbegehrte Futter
behaupten. Etwas wegnehmen darf ihm allerdings nur der alleroberste Häuptling.
Der hat aber seinen vierbeinigen Freund meist so gerne, dass er ihm so
etwas Gemeines nur im alleräußersten Notfall zumuten würde.
Jede Störung beim Fressen betrachtet der Hund als Angriff auf sein
Recht auf Futter und das darf er einfach nicht hinnehmen. Er wird sein
Futter verteidigen - und das mit allen Mitteln. Wieder einmal: Wir sehen
bei einem Streit mit dem Hund nicht so gut aus. Außerdem so doll
ist Hundefutter nun gerade auch nicht. Also: Finger weg vom Freßnapf!
Regel
Wenn du mit einem Hund spielst, achte darauf, den Zähnen nicht zu
nahe zu kommen!
Hunde spielen schrecklich gern! Sogar alt und grau gewordene Hundeopas
und -omas werden scheinbar wieder jung, wenn es gilt, einem Stöckchen
oder Bällchen hinterher zu laufen. Es gibt für Hunde nichts
Schöneres, als etwas zu fangen oder zu erjagen, es dann festzuhalten,
darum spielerisch zu kämpfen, um es zu verteidigen. Dabei kann es
leicht passieren, dass das Tier im Eifer einmal mit den Zähnen daneben
schnappt. Das ist zwar nicht böse gemeint, tut aber ganz schön
weh Vielleicht hat der Hund als Baby auch nicht gelernt, wie fest man
den "Menschenhund" denn überhaupt anpacken darf. Deshalb
ist es auch wichtig, dass der kleine Welpe mal in die große Zehe
oder die Hand kneifen darf - aber nicht vergessen, rechtzeitig laut "Aua"
zu brüllen oder ihn das Kommando "ganz zart' zu lehren. Sonst
beißt der erwachsene Bello einmal fester zu als er es selbst will,
und ist nachher traurig, dass das schöne Spiel so schnell vorbei
war. Grundsätzlich ist es beim Spielen sicherer und besser, den Zähnen
nicht zu nahe zu kommen.
Regel
Versuche nie, raufende Hunde zu trennen!
Viele Hunde spielen auch gerne mit anderen Hunden. Dabei kann es ihnen
so gehen wie es manchmal auch Euch geht: Plötzlich wird aus dem Spiel
Ernst. Ein Wort gibt das andere - und schon ist eine handfeste Rauferei
im Gange. Außerdem hast Du inzwischen schon gelernt, dass es noch
einige andere Gründe gibt, warum Hunde kämpfen: ...wenn es um
die Rangordnung geht, ...wenn es um das Futter geht, ...wenn sich der
Hund verteidigen muss. Ein kämpfender Hund konzentriert sich nur
auf seinen Gegner. Das heißt: Er hört nicht mehr und lässt
sich nicht ablenken. Er ist im Kampf blind, taub und gefühllos. Darum
merkt er nicht, wenn er in eine Hand beißt, die ihm helfen will.
Darum kannst Du nur eines tun: Hole zwei Erwachsene zu Hilfe. Auch die
"Großen" müssen vorsichtig sein, wenn Hunde kämpfen.
Einer allein darf nie versuchen, zwei vierbeinige Raufbolde zu trennen.
Darum gilt für Dich: Auch wenn sich so ein Hundekampf ziemlich schlimm
anhört und böse aussieht - nie dazwischen gehen. Bleib außer
Reichweite. Hole Hilfe. Hundestreitereien wirken meistens viel gefährlicher
als sie sind.
Regel
Egal, ob Du Angst hast oder nicht. Laufe nie - unter gar keinen Umständen
- vor einem Hund davon.
Erstens ist der Hund sowieso schneller. Es gibt Hunde, die können
ein schnelles Fahrrad oder ein Mofa überholen. Zweitens hat jeder
Hund einen Hetz- oder Jagdinstinkt. Dafür kann er nichts. Das ist
etwas, das in jedem Hundetier drinnen steckt. Wenn sich jemand - oder
etwas -schnell von ihm entfernt, dann muss er einfach hinterher, so schnell
es geht, um es -oder ihn - festzuhalten. Schon schlechter, wenn Du das
zufällig bist. Zwar geben sich viele Herrchen und Frauchen Mühe,
ihrem Vierbeiner beizubringen, dass er keinem hinterherläuft. Es
kann aber immer wieder vorkommen, dass die Natur mit ihm durchgeht. Dann
sieht es so aus, als sei alles umsonst gewesen und es heißt: Der
schlimme Hund ist unterwegs. Da hilft es übrigens auch nicht, auf
eine Bank, einen Tisch oder sonst was zu klettern. Wo Du hinkommst, kann
der Hund meist auch hin. Er kann nämlich nicht nur sehr gut laufen,
sondern meist auch erstaunlich gut springen und klettern. Also: Nie -
unter gar keinen Umständen - vor einem Hund davonlaufen! Ruhig stehenzubleiben
macht Dich für den Hund uninteressant.
Regel
Du hast zwei Hände. Der Hund hat nur seine Zähne, um etwas festzuhalten!
Wenn ein Hund nach Dir greift, halte still. Es mag noch so blöd klingen.
Trotzdem: nicht bewegen - still halten. Wenn ein Hund versucht, Dich festzuhalten,
hat er mit Sicherheit Gründe dafür - Möglicherweise hat
er Angst und will Deine Hand festhalten, damit sie ihm nichts tut, - oder
er will verhindern, dass Du ihm davonläufst, vielleicht hast Du ihn
geärgert, ohne es selbst zu wissen und nun will er Dir zeigen, wer
der Stärkere ist, - oder er wollte einfach nur mit Dir spielen und
ist so blöd, dass er nicht weiß, wie man so etwas macht und
kann nicht wissen, dass Deine Haut so dünn ist. Die meisten Hunde
wollen gar nicht beißen, sondern nur festhalten. Das piekst zwar
mehr oder weniger stark, gibt vielleicht auch mal kleine Löcher,
ist aber gar nicht schlimm, wenn man still hält, größere
Wunden gibt es nur, wenn man wegreißt. Schau Dir mal so ein Hundegebiss
an. Alle größeren Zähne zeigen nach innen. Klar, wenn
man da versucht, etwas herauszuziehen, bleibt man hängen und das
gibt dann schon größere Löcher. Widerstand reizt den Hund
nur weiter. Etwas, das sich nicht bewegt, ist für Hunde uninteressant.
Also: Nicht bewegen - still halten!
Regel
Wenn Du mit einem Hund spielst, achte sicherheitshalber darauf, dass ein
Erwachsener in der Nähe ist. ...auch wenn's schwer fällt:
Hunde sind zwar phantastische Spielkameraden. Dabei kann es aber vorkommen,
dass sie vor lauter Spielen vergessen, dass das Fell von den "Menschenhunden"
dünner ist als das eigene. Oder sie wollen es einfach nicht loslassen
(wie das Deinem großen Bruder, Deiner Schwester oder Deinem Freund
oder Deiner Freundin auch manchmal so einfällt). Wie gut, wenn man
dann jemanden zu Hilfe rufen kann. Erwachsene sind nun mal größer
und meist kräftiger als Kinder, Das bedeutet auch für den Hund
ganz automatisch, dass sie auch ein bisschen mehr zu sagen haben. Hunde
sind in ihrer Art "gescheite" Tiere. Sie "denken"
anders als wir. Darum verstehen sie auch unsere Sprache nicht. Das führt
gelegentlich zu Unstimmigkeit. Denk daran. Bei einem Streit mit einem
Hund kann ein Erwachsener zu Deinen Gunsten entscheiden. Wenn Erwachsene
in Zusammenhang mit einem Hund etwas verbieten, muss das unbedingt befolgt
werden. Die sagen das nicht, um Dich zu ärgern, sondern aus Sorge
um Dich. Also: Nur mit dem Hund spielen, wenn ein Erwachsener dabei ist.
Regel
Kein Hund ist wie der andere: ...nicht mal, wenn's Zwillinge sind.
Fritz und Franz sind Zwillinge. Das heißt, sie sind nicht nur Brüder,
sondern auch auf den Tag genau gleich alt. Sie sehen sich zum Verwechseln
ähnlich. Trotzdem kann man mit dem Fritz ganz toll spielen. Mit dem
Franz gibt's aber immer noch Streit. So verschieden sind die beiden. Das
ist bei Hunden ganz genauso. Ein Dackel ist freundlich - ein anderer knurrt.
Kurz gesagt: - Zwei Hunde, die gleich aussehen, können ganz verschieden
sein. Darum musst Du jeden Hund neu kennenlernen. Zeigt Dir der Hund,
dass ihm Deine Bekanntschaft nicht angenehm ist - lass ihn. Versuche nie,
ihn trotzdem zu streicheln oder gar zu umarmen. Du weißt ja nicht,
ob er nicht schon schlechte Erfahrungen mit Kindern gemacht hat (siehe
auch 2. Regel). Aber keine Angst: In den meisten Fällen sind Hunde
freundlich, wenn Du nett zu ihnen bist. Schlecht ist nur, wenn Du gerade
dem einen begegnest, der nicht so freundlich ist. Darum denk daran: Kein
Hund ist wie der andere. Bei jedem Hund musst Du erst mal herausfinden,
ob er Dich mag. Wenn du Dich nach diesen Regeln richtest, dürfte
es mit Hunden keine Probleme geben. Es gibt nur ganz wenige Hunde, die
von sich aus böse sind. Hundefachleute sind sich einig: Wenn ein
Hund einem Menschen unfreundlich begegnet, haben Menschen etwas falsch
gemacht. Normalerweise sind Hunde wie nette Freunde.
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